Ego-Shooter im Kreuzfeuer, von Renate Miethner. Ein philosophischer Text zum akuellen Thema Verbot von Killerspiele.

Den sehr interessanten Text findet Ihr hier:
http://www.philosophiemonatsbrief.de/Philo...brief_12-06.pdf

Bitte lest Euch den mal durch, denn mich würde Eure Meinung dazu interessieren. Man liest hierzu viel aus medienwissenschaftlicher und auch psychologischer Sicht. Dennoch halte ich ebenso auch die philosophische Betrachtungsweise von Sinn und Unsinn von gewalthaltigen Spielen oder auch dem drohendem Verbot für sehr wichtig.

Es macht Mut zu sehen, dass es viele Wissenschaftler gibt, die wirklich vernünftig an dieses Thema herangehen.

Um einmal den Anfang bezüglich Gedanken zum Text zu machen, greife ich einfach die Passage zu Beginn des Textes auf, wo nach der Bestimmtheit des Schutzes der Menschwürde gefragt bzw. gesucht wird. Ein meiner Meinung nach grundlegendes und auch klärendes Urteil hierzu sprach ja das Bundesverfassungsgericht im Oktober 1992 mit seinem "Tanz der Teufel" Urteil aus. Im Wortlaut ist dieses hier nachzulesen: DFR - BVerfGE 87, 209 - 'Tanz der Teufel'

Der Paragraf 131 Strafgesetzbuch (StGB) stellt die Verbreitung von Material unter Strafe, dass zum einen Gewalt verherrlicht und zum anderen geeignet ist, die Menschenwürde zu verletzen. Hierbei spricht der Gesetzestext nicht von der Verletzung eines bestimmten Menschen, sondern abstrahiert das von den Einzelpersonen auf die Würde aller Menschen. Somit ist Basis des §131StGB der Artikel 1.1 des Grundgesetzes, der eben die Würde des Menschen als unantastbar manifestiert. "Das Bundesverfassungsgericht versteht ihn als tragendes Konstitutionsprinzip im System der Grundrechte " So der Wortlaut im Urteil.

Das bedeutet natürlich, dass die entsprechenden Darstellungen im Film, Spiele, Text, Bild etc. nicht den Betrachter oder eine virtuelle Figur stören bzw. verletzen, sondern die Gesamtheit der Menschenwürde ansich.

Interessant ist nun die Frage, wo die Grenzen zu ziehen sind. Ab wann ist die Menschenwürde verletzt, wie misst man das nach? Im Gegensatz zu anderen Starftaten ist auch das ein zunächst sehr abstarkter Tatbestand und damit weniger konkret zu beurteilen, als beispielsweise ein Ladendiebstahl. Beim Ladendiebstahl ist die Sache sehr schnell klar. Der Straftäter steckt eine Sache ohne zu bezahlen ein, und versucht die Sache unberechtigterweise aus dem Laden zu schaffen. Wird er erwischt, kann er gemäß geltender Gesetze abgeurteilt werden.

Bei der Verletzung der Menschenwürde haben wir es allerdings mit wesentlich komplexeren Vorgängen zu tun, die man erstmal augenscheinlich nicht über den Daumen geblickt einordnen kann. Hier muss der Richter, ein Staatsanwalt, ein Gutachter das Material in Augenschein nehmen und abschätzen, ob dieses nun menschenverachtende oder die Menschenwürde verletztende Darstellungen enthält.

Es gibt hierzu eine Vielzahl an Kommentare oder vorausgehende Urteile, dennoch bin ich mir relativ sicher, dass auch hier eine gehörige Portion persönlicher Präferenzen in die Betrachtung mit einfließt. Denkbar wäre es, dass dann bei derartigen Fällen ein Richter eine etwas andere Entscheidung fällt, als der Kollege an anderer Stelle. Vielleicht geht er ein Jahrzehnt später wieder anders an die Sache heran, weil auch hier sich gesellschaftliche Normen, Moralitätsvorstellungen und Sichtweisen geändert haben. Sicherlich ist auch dieser Versatz an neuen Normen der Grund dafür, das sehr schnell Generationskonflikte entstehen, wie sie sich durchaus auch nun in der Frage um Verbote von Computerspiele ausdrücken.

Liest man nun im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes weiter, wird man auch hier noch auf einen interessanten Satz stoßen: "Damit wird das Tatbestandsmerkmal einer die Menschenwürde verletzenden Darstellung in einer Weise ausgelegt, die keine hinreichend bestimmten Konturen mehr erkennen läßt. Gewalttätigkeit in Filmen verletzt für sich genommen die Menschenwürde nicht. Das ergibt sich schon daraus, daß die Darstellung in einer die Menschenwürde verletzenden Weise im Tatbestand als besonderes Merkmal genannt ist, das zusätzlich zur Schilderung der Gewalttätigkeit erfüllt sein muß. Deswegen kann auch weder die Häufung noch die aufdringliche und anreißerische Darstellung von Gewalttätigkeiten für sich allein den Tatbestand erfüllen. Jedenfalls ließen sich, wenn es auf diese Kriterien ankäme, die durch § 131 Abs. 1 StGB verbotenen Handlungen nicht deutlich genug von als zulässig anzusehenden Darstellungen etwa in Abenteuer- oder Kriminalfilmen abgrenzen."

Beschlüsse, die zu einer Beschlagnahme eines Mediums führen, bestehen oft aus einer Auflistung von zu beanstandenden Passagen eines Films oder auch Computerspieles. Hier wird gerne darauf Wert gelegt, dass gewalthaltige Szenen lange und oft in Nahaufnahme gezeigt werden, die eben deshalb als verrohend oder menschenverachtend eingestuft werden. Das ergibt sich natürlich auch aus diverse Kommentierungen des §131 was aber in dieserr Form wiederum der Aussage des obigen Beschlusses entgegen zu laufen scheint. Aber auch hier gesteht man zu, dass man die Grenzen nicht wirklich abstecken kann.

Ein interessante Aussage, die durchaus auch auf die Spiele zu übertragen wäre.

Liebe Grüße,
Gargi