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Thema: A History of Violence

  1. #1
    Colonel Avatar von Gargi
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    Standard A History of Violence

    Der kanadische und oftmals umstrittene Regisseur und auch Schauspieler David Cronenberg präsentiert uns mit "A History of Violence" wieder ein besonders "denkwürdiges" Stück Filmgeschichte, das sogar vom FBW Wiesbaden mit dem Prädikat besonders wertvoll ausgezeichnet wurde.

    Tom Stall, Familienvater und Inhaber eines kleinen Restaurants in einem verschlafenen Nest irgendwo in den USA wird durch einen tragischen Vorfall eine Berühmtheit in der kleinen Stadt. Zwei umherstreunende Massenmörder bedrohen im Restaurant die Gäste und die Lage eskaliert, als Tom eine Schusswaffe der beiden Gangster in die Finger bekommt. Eiskalt und maschinenhaft eleminiert er die beiden Gängster.

    Tom wird als Held gefeiert, so hat er doch einige Menschenleben vor den gesuchten Mördern gerettet. Doch tags drauf kommt weiterer Besuch auf den Tagesplan. Der Mafiosi Fogarty (HERRLICH gespielt von Ed Harris, der eine Oskar Nominierung für die Rolle bekam) glaubt beharlich einen gewissen Joey in Tom zu erkennen. Laufend belästigen sie Tom und seine Familie mit der Tatsache, dass Joey ein gefürchteter Killer ist.

    Es dauert nicht lange, dann eskaliert die Sache ...

    Was ich gerade gesehen habe, hat mich wirklich gerissen. Ich mag Cronenberg Filme sehr gerne, und ich denke, dass ich bis jetzt auch jeden seiner Werke gesehen habe. Doch unterscheidet sich dieser Film von der alten düsteren, teilweise morbide wirkenden Grundstimmung seiner anderen Filme deutlich. Der Zuschauer gerät im Laufe des Filmes in einen Strudel an Gewalt, die sich von Szene zu Szene immer weiter hochzuschaukeln droht.

    Zu frisch sind meine Eindrücke dieses Filmes, da ich die DVD gerade im Moment aus dem Player genommen habe, um an der Stelle zu viel über die Geschichte und meinen Vermutungen über den Hintergrund des Gesehenen zu mutmaßen. Dennoch ist der Film keineswegs ein gewalttätiger Film, denn zu groß ist der Versuch der Figuren, sich der Gewalt los zu sagen.

    Wer toughe Action sucht wird diese sicherlich auch geliefert bekommen, dennoch denke ich, dass derjenige, der nur einen Anspruch auf Unterhaltung hegt, hier ganz schnell die Spur wechseln müssen. Denn der Anspruch eines Cronenberg Filmes geht weitaus mehr in die Tiefe, und darauf muss man sich definitiv einstellen.

    A History of Violence wurde von der FSK mit einem "keine Jugendfreigabe" (=ab 18 Jahren) freigegeben und ist somit nicht indiziert. Im Gegensatz zur US Fassung handelt es sich um die Veröffentlichung von Warner Brothers um die sogenannte ungekürzte, internationale Fassung.

    Die offizielle Homepage nebst Trailer findet Ihr hier:
    A History of Violence

    cu
    Gargi

  2. #2
    Major General Avatar von SethOS
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    Hatten ja gerade schon über den Streifen gesprochen. Habe mir vorhin mal den Trailer angesehen und muss echt sagen: der ist was für mich. Ich glaub ich tingel morgen gleich mal los um mir damit eine Freude zu machen
    "Prophet!" said I, "thing of evil - prophet still, if bird or devil!
    By that Heaven that bends above us - by that God we both adore -
    Tell this soul with sorrow laden if, within the distant Aidenn,
    It shall clasp a sainted maiden whom the angels name Lenore -
    Clasp a rare and radiant maiden whom the angels name Lenore."
    Quoth the Raven, "Nevermore."

    From "The Raven" by Edgar Allan Poe

  3. #3
    Colonel
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    Avatar von Gargi
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    Eine sehr schöne Abhandlung zum Film findet sich übrigends hier:
    SimulationsRaum - medien.film.kultur

    cu
    Gargi

  4. #4
    Major General Avatar von SethOS
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    Ich habe ihn heute tatsächlich (endlich) bekommen - zumindest geliehen aus der Videothek meines Vertrauen.

    Ich bin ehrlich begeistert - ein wirklich sehr guter Film mit einer soliden Story, klasse Soundtrack und sehr hübschen Effekten.

    Doch, habe mich sehr gut unterhalten Gefühlt - wird auf jeden Fall ganz weit oben auf meiner Wunschliste herumlungern der Streifen.

    Kann ich jeden nur empfehlen
    "Prophet!" said I, "thing of evil - prophet still, if bird or devil!
    By that Heaven that bends above us - by that God we both adore -
    Tell this soul with sorrow laden if, within the distant Aidenn,
    It shall clasp a sainted maiden whom the angels name Lenore -
    Clasp a rare and radiant maiden whom the angels name Lenore."
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  5. #5
    Master Sergeant Avatar von cyoshi
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    sehr geiler Film. Auch mal das Making Of anschauen
    Mein System:
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  6. #6

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    Hab den Film auch vor nem Monat oder so gesehen und fand ihn ziemlich gut. Fand es nur ein bisschen Merkwürdig, dass seine Frau nicht schon nach der ersten schießerei Misstrauisch wurde, kaum ein normaler Mensch hätte sich wohl so wehren können.

  7. #7
    Colonel
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    Avatar von Gargi
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    Also ich habe jetzt noch ein paar Gedanken dazu gesammelt. Achtung! Der folgende Text gibt den kompletten Film wider. Wer den Film noch nicht gesehen hat und das noch tun möchte, sollte hier nicht weiterlesen!


    Was war darf niemals mehr werden... A History of Violence
    Von Pierre Kretschmer

    Die Verfilmung der ursprünglich als Comic erschienenen Erzählung A History of Violence von David Cronenberg wurde Ende 2005 in den Deutschen Kinos aufgeführt und löst bei Filmfans und Kritikern kontroverse Meinung aus. David Cronenberg, der bekannt für seinen avarntgardistischen Stil im Film ist, bescherte in der Vergangenheit mit seinen Werken wie das Videodrom, Scanners, Rabid - der brüllende Tod oder auch das Remake von "die Fliege" der Filmwelt und den Zuschauer keine einfache Alltagskost. Jenseits des Mainstream Kinos gilt Cronenberg als Insidertipp, wenn es um Inhalte geht, der einen besonders eigenen Geschmack voraussetzt. Zu düster, zu Hintergründig, zu verwirrend sind oftmals seine Filme, um ein weites Publikum zu begeistern.

    Einwenig überrascht es schon, dass Cronenberg hier einen Comic als Vorlage für einen Film verwendet, aber er setzt dennoch die Story souverän und handwerklich brilliant in bewegte Bilder um, ohne dabei seine Handschrift gänzlich verleugnen zu müssen. Dennoch fällt denjenigen, der das Lebenswerk Cronenbergs bislang verfolgt hat deutlich auf, dass A History of Violence ein ungewöhnlich farbiger Film geworden ist, der sich nicht unbedingt vollkommen nahtlos in sein Reihe an Extrovertierungen einfügt ohne sich aber selbst als intellektuellen Enfant terrible der Moderne zu dekonstruieren.

    Ein normales Leben?

    Der Film beginnt zunächst im Stile eines durchschnittlichen Roadmovies, dessen Einleitung ein wenig an den bekannt berüchtigten From Dusk till Dawn erinnert. Es ist ein heißer Sommer Morgen. In einem Motel wollen zwei Gäste auf ihre Weiterfahrt aufbrechen. Die beiden Männer stellen sich alsbald als mordlüsterne Psychopathen heraus, die bereits das Personal des Motels ermordet haben. Als ein kleines Mädchen die Leichen der Eltern entdeckt, die kurz vorher umgebracht wurden, erschießt ein Gangster das Kind. Während des Schusses blendet die Kamera auf ein schreiendes Kind, das gerade von einem Alptraum erwacht ist. Tom Stall, der Vater und dessen Frau stürzen in das Kinderzimmer und beruhigen die Tochter. Das Kind hätte Monster gesehen.

    So eröffnet uns David Cronenberg die Geschichte der Familie Stall. Dass die Harmonie der Familie, die sich zunächst durch das gemeinschaftliche trösten des Mädchens durch den großen Bruder, dem Vater und der Mutter ausdrückt in akuter Gefahr ist, zeigen die bedrohlichen Bilder und die Erschießung des Kindes im Motel. Hier wird deutlich, dass die Harmonie durch externe Gefahren stetig angreifbar ist und allzu bald auch ein derartiges Familienglück zerstören kann.

    Stall ist Inhaber eines typisch amerikanischen Coffee- Shops in einem noch typischeren kleinen Nest. Hier kennt jeder jeden, neue Gesichter fallen sofort auf. Das kleinbürgerliche Leben Stalls wird erstmals dadurch jäh durchbrochen, als die zwei Gangster, die wir schon am Anfang des Filmes kennenlernen durften, das erste und letzte Mal in das Leben von Tom treten. Als Tom die beiden Herren herauskomplimentieren wollte, wird einer der Gangster handgreiflich und beide ziehen eine Waffe. Es bricht Panik unter den Gästen aus. In einem unaufmerksammen Moment eines Gangsters überwältigt Tom ihn, nimmt ihn die Waffe ab, erschießt den anderen Gängster gezielt und richtet förmlich den am Boden liegenden zweiten Killer mit einem Kopfschuss hin.

    Bereits hier erkennt man, dass an Tom etwas nicht wirklich stimmt. Zu schnell, zu präzise zu kalt überwältigt er beide Killer in einem Stil, den wir nur aus dem Actionkino bestens kennen. Alleine die körperliche Qualifikation merkt man Tom nicht an und will man auch nicht wirklich abnehmen. Dennoch zeigt sein Gesichtsausdruck über die gerade vollzogene Tötungshandlung leichtes Entsetzen und Abneigung. Doch sollte dieser Blick noch mehr als Entsetzen über die Tat als Entsetzen über sich selbst darstellen?

    Was war ...

    Tom wird nun im Dorf und darüber hinaus zum Medienheld. Seine Tat wird gelobt, schließlich hat er zwei gesuchte Killer zur Strecke gebracht. Schließlich hat er Menschenleben gerettet. Tom wird Ziel der Presse, sein Bild ist in der Zeitung, im Fernsehen wird über Tom berichtet. Richtig freuen kann Tom sich über seine kurzzeitige Berühmtheit nicht. Er wirkt müde und abgeschlafft. Er sitzt im Krankenhaus wo man ihn untersuchte auf einem Bett, zappt durch die Nachrichten und schaltet genervt den Fernseher ab. Als seine Frau in abholt lassen ihn einige Mitbürger hochleben, als er in das Auto steigt. Sein Lächeln hier ist sehr verhalten. Später wird uns klar, dass er an der Stelle nicht nur müde ist, sondern auch weiß, dass der Medienrummel ihn weiter in seine Vergangenheit führt, als er möchte.

    Am nächsten Morgen steht Tom wie immer hinter dem Tresen seines Coffee-Shops. Und wieder tauchen Fremde auf. Diese sind nun zu dritt. Der offensichtliche Anführer der drei, ein schwarz gekleideter Mann, schwer vernarbtes Gesicht und eine Sonnenbrille spricht Tom an. Er beglückwünscht Tom zu seiner Heldentat. Dennoch redet er ihn mit den Namen Joey an.Tom kennt keinen Joey, er versteht nicht, was der Mann von ihm will. Seine Frau versteht die Aufregung nicht und beide empfehlen den Herren zu gehen. Ab hier stellen die drei Tom nach. Auch hier eskaliert die Sache irgendwann. Es ist von einem Bruder die Rede, der in Philadelphia auf Tom wartet. Auch hier streitet Tom die Existenz eines Bruders ab. Eines Tages stehen die drei Herren mit ihrem Wagen vor dem Haus und haben seinen Sohn in der Gewalt. Tom soll zu seinen Bruder nach Philadelphia mitkommen. Zum Tausch lassen sie seinen Sohn gehen. Der verschwindet schnell ins Haus. Durch ein Fenster beobachtet Toms Frau die Szenerie und hört, wie Tom sagt, er hätte ihn schon in Philadelphia töten sollen. Jetzt tickt Tom aus, tötet mit bloßen Händen die beiden Leibwächter. Als der dritte Mafiosi Tom erschießen will fällt ein Schuss von hinten direkt durch die Brust des Mafiosi. Toms Sohn ist mit einer Flinte zur Hilfe geeilt.

    An der Stelle wird deutlich, dass Tom tatsächlich Joey ist. Tom hat eine grausige Vergangenheit hinter sich und versuchte ein neues, friedvolles Leben aufzubauen. Doch die Vergangenheit hat ihn wieder eingeholt. Das drückt sich nicht nur in den Personen aus, die ihn nun besuchen kommen, sondern auch in der Art seiner Brutalität, in der er tötet. Er ist dieses Mal fast unbeobachtet gewesen, und deshalb wurde sein Handeln wesentlich grausamer, fast schon sadistisch.


    ... darf nicht mehr werden

    Jetzt fast Joey den Entschluss, mit seiner Vergangenheit aufzuräumen. Seine Familie ist nun zerrüttet. Sein Sohn und seine Frau wissen, dass er ein Mörder ist. Auch deren Leben ist nun zerstört, denn sie haben vor dem sonst so liebevollen Familienvater Angst.

    So fährt Joey nach Philadelphia um seinen Bruder Ricky zu besuchen. Sein Bruder, der als Chef einer organisierten Verbrecherbande in einer teuren Villa lebt hat ihn bereits erwartet. Seine Leibwächter filzen Joey, um sicher zu gehen, dass er keine Waffen bei sich trägt. Joey warnt die Männer, dass er ungewaschen sei und stinken würde. Aus dem sonst so ordentlichen, geregelten Mann ist ein heruntergekommener Killer geworden, der das zu Ende bringen will, was er versäumt hat, damals zu erledigen: Seinen Bruder zu töten. Nachdem beide sich unterhalten haben, soll ein Leibwächter Joey mit einer Drahtschlinge erwürgen. Das Vorhaben schlägt fehl und Joey bringt den Mann nun gänzlich vor der Öffentlichkeit den Mann grausam um. Zwei weitere Wächter erledigt Joey eiskalt und systematisch.

    Nun stehen sich beide Brüder am Ende gegenüber. Ricky wollte seine Waffe laden, als ihn Joey mit vorgehaltener Pistole gegenüber steht.

    „Mein Gott, Joey“ sind Rickys letzte Worte. Dann erschießt ihn sein Bruder. „Mein Gott, Ricky“ entgegnet ihm Joey, als er seinen toten Bruder auf dem Boden liegen sieht.

    Kain erschießt Abel. Dass hier ein sehr christliches Element zu tragen kommt wird durch die folgende Szene verdeutlicht. Joey läuft hinter die Villa zum See. Er ist verletzt, er ist schmutzig, er riecht nach Schweiß. Mit nackten Oberkörper kniet er im Wasser und wäscht sich rein. Säubert die Wunden, wäscht die Schuld und die Vergangenheit ab.

    Joey kehrt nun abends heim. Sein Auto stellt er neben das Haus ab. Es ist schon dunkel geworden. Im Haus gibt es Abendbrot. Die Familie sitzt am Tisch, es ist gedeckt. Als Joey wie der typische Familienvater müde von der Arbeit in die Küche tritt schließt der Film wieder mit der Tochter, die nun sehr erwachsen wirkt. Sie stellt ihrem Vater einen Teller auf den Tisch und legt das Besteck daneben. Die Mutter reicht dem Vater das Fleisch.

    Tom ist nun wieder zu Hause. Die Familie sitzt wieder an einem Tisch. Die Vergangenheit ist nun besiegt, aber seine Zukunft zerstört. Besser wäre es gewesen, wenn das, was war, nie mehr geworden wäre.

    [pk]
    Geändert von Gargi (01.06.2007 um 00:26 Uhr)

  8. #8
    Colonel
    Themenstarter
    Avatar von Gargi
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    Standard

    Sodalla, am Wochenende hatte ich mal Zeit, die Comicvorlage zu History of Violence zu lesen:
    ******.de: A History of Violence

    280 Seite ist das Teil dick und sehr sehr morbide vom Inhalt her. Zum Ende hin wirds richtig grauslig. Die Zeichnungen sind allerdings sehr skizzenhaft, also darf man hier keine hoche Zeichenkunst erwarten. Erinnert sozusagen mehr an eine Art Storyboard für einen Film. Allerdings ist der Comic auch entsprechend rasant zu lesen. Ab Mitte des Comics merkt man, dass der Film hier um einiges abweicht, was die Vorgeschichte um Joey und Richie betrifft. Hier erfährt man, was eigentlich in der Mafiazeit von Joey passiert ist. Man muss aber dazu sagen, dass der Comic wirklich an vielen Stellen sehr gewalthaltig ist. Von daher nichts für Dünnhäuter!

    cu
    Gargi

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