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Thema: Das Wiegenlied vom Totschlag (Kinowelt)

  1. #1
    Colonel Avatar von Gargi
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    Standard Das Wiegenlied vom Totschlag (Kinowelt)

    Am 29. November 1864 in Kiowa County - Sand Creek Colorado griff eine 800 Mann starke Einheit der ersten Colorado-Kavallerie unter dem Kommando von John M. Chivington ein Dorf der Cheyenne Indianer an. Hierbei massakrierten die Truppen bis zu 500 Indianer, wobei die Hälfte davon Frauen und Kinder waren. Bis heute ist nicht wirklich klar, weshalb der Angriff gestartet wurde, da im Grunde ein Friedensvertrag mit den dort angesiedelten Ureinwohner geschlossen wurde. Wegen der Unsinnigkeit des Angriffes und dem unmenschlichen Vorgehens während des Angriffes, das jede Art von Menschenwürde vermissen lässt, ging dieses barbarische Morden und Vergewaltigen als eines der schwersten Kriegsverbrechen in die US-Amerikanische Geschichte ein.

    Das Wiegenlied vom Totschlag (Originaltitel "Soldier Blue") aus dem Jahr 1970 versucht dieses Massaker in schockierende Bilder zu fassen.

    Nach einem Überfall von Cheyenne Kriegern auf einen Convoy der US Kavallerie, der die junge Frau Cresta (gespielt von Candice Bergen) zu ihrem Verlobten in einem nahegelegenem Fort bringen soll, werden fast alle Soldaten von den Indianern getötet. Cresta und der überlebete Soldat Honus (Peter Strauss) verschlägt es erst in die Prärie. Hier erfährt Honus, dass Cresta eine Zeit bei den Cheyenne gelebt hat und dem dortigen Stammeshäuptling versprochen war. Cresta ist auch Freund der Indianer und möchte auch in das Dorf zurückkehren, da sie dem gesellschaftlichen Leben bei den Weißen nichts abgewinnen kann.
    Gegen Ende des Filmes wird Honus dann Zeuge des Vergeltungsschlages an dem Indianerdorf, dessen Bilder dieses Blutbades auch heute noch schockieren. Ralph Nelson zeigt in seinem Film zum Abschluss ungeschminkt die Grausamkeiten, zu dem ein Mensch im Stande sein kann, wenn er in diesen Wahnsinn des Krieges verfällt.

    Das Wiegenlied vom Totschlag war lange umstritten, da der Grad zwischen Antikriegsfilm und Gewaltverherrlichung oftmals sehr schmal sein kann. Dennoch wurde der Film nicht missverstanden und erst neu von der Firma Kinowelt prüfen lassen. Dieser erhielt dann in seiner ungeschnittenen Fassung nun die Freigabe ab 16 Jahren. Die Vermutung liegt nahe, dass man hier eher die Abschreckung von unfassbaren Greutaten des Krieges höher wertete, als möglicherweise die Phaszination an gewalthaltigen Bildern.

    Kinowelt veröffentlichte den Film mit einem erstklassigen anamorphen Bild in 2.35:1. Das Bild wirkt kontrastreich, scharf und weist kräftige Farben auf. Man nimmt ihn nicht ab, dass er schon über 30 Jahre alt ist. Der Ton liegt im Mono vor und wurde nicht wegen einer neuen Tonspur neu synchronisiert, was mich besonders gefreut hat.

    In den USA ist dieser Film nach wie vor nicht gerne gesehen, weil dieser wohl zu sehr an eine unrühmliche Vergangenheit erinnert und auch nur zensiert erhältlich. Weltweit dürfte somit die Kinowelt-Fassung einer der interessantesten Veröffentlichungen dieses Films auf DVD sein.

    Der Titelsong (Soldier Blue) kommt übrigens von Buffy Sainte Marie, eine Sängerin indianischer Abstammung. Dieser ist auf diversen CD- Veröffentlichung von Buffy Sainte Marie erhältlich.

    Wer sich einwenig über das Sand Creek Massaker informieren möchte, hier ein paar Links dazu:

    Sand Creek Massacre - Wikipedia, the free encyclopedia
    Sand-Creek-Massaker - Wikipedia
    PBS - THE WEST - Documents on the Sand Creek Massacre (1864-1865) (sehr interessanter Link, da hier auch ein Protokoll einer Augenzeugenbefragung vorliegt)
    Native American Atrocities - The Sand Creek Massacre

    FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
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    cu
    Gargi
    Geändert von Gargi (22.08.2006 um 10:03 Uhr)

  2. #2
    Gesperrt Avatar von Pommbear
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    Hört sich ziemlich grauslig an. Da muss ich erst schauen, dass ich mal seelisch in stabiler Verfassung bin. Solche Stories gehen mir immer an die Nieren.

  3. #3
    Colonel
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    Zitat Zitat von Pommbear
    Hört sich ziemlich grauslig an. Da muss ich erst schauen, dass ich mal seelisch in stabiler Verfassung bin. Solche Stories gehen mir immer an die Nieren.
    Naja, sagen wir mal, dass die letzten 10 Minuten richtig an die Nieren gehen. Zuerst entwickelt sich aus dem Film ein ganz normaler 70ger Jahre Western, der ja fast sogar in der MItte einwenig schnulzig wird, als sich zwischen dem braven Soldten Honus und der gar nicht damenhaften Cresta (jaja, die Indianer sind halt etwas "natürlicher" drauf) eine kleine Beziehung aufzubauen scheint. Donald Pleasance (King of B-Movie, bekannt z.B. aus Halloween) mimt dabei auch noch einen fiesen Waffenhändler, der auch zwischendrin Stress macht.
    Das Ende mit dem Indianermassaker ist dann eben ein extremer Kontrast zum eigentlich ruhigen Film.
    Mein Vater hat den Film damals in den 70ern im Kino gesehen. Der meinte, dass es im Kino ziemlich viel entsetzte Leute gegeben hat. Sowas hat man eigentlich bei nem Western in der Zeit nicht erwartet. Aber neben "Ein Mann den sie Pferd nannten" war "Wiegenlied" schon immer der Favorit meines Vaters. Über den bin ich auch erst damals auf den Film aufmerksam geworden. Irgendwann lief der im Fernsehen (ungeschnitten) und das war dann seitens meines Vaters Pflichtprogramm. Zu der Zeit war ich auch schon einiges an Splatter-Movies gewohnt, aber das hat selbst mir erstmal die Kinnlade runterklappen lassen.
    Deshalb verwundert es mich sowieso einwenig, dass hier ein FSK 16 durchgegangen ist. Klar, die Effekte sind jetzt nicht mehr wirklich State of Art, aber erfüllen durchaus noch seinen Zweck. Aber ich denke eben, dass das so abschreckend ist, dass die FSK auch keine Verherrlichung erkennen konnte (nehme ich mal an).

    cu
    Gargi

  4. #4
    Einkaufsleitung Mindfactory AG Avatar von SiXX
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    mal was offtopic'es
    Auf deinem Signaturbild, is das Kris Kristofferson ?
    Mit freundlichen Grüßen
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  5. #5
    Colonel
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    Avatar von Gargi
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    Zitat Zitat von SiXX
    mal was offtopic'es
    Auf deinem Signaturbild, is das Kris Kristofferson ?
    Jupps

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