Ross (Jason Schwartzman) ist ein lieber, aber leider etwas naiver Kerl. Dazu ist er noch ein wenig mehr blind der Realität gegenüber, da er ganz gerne mal Meth zu sich nimmt. Meth ist eine synthetisch hergestellte Droge, die man aus recht simplen Medikamenten selber kochen und auf verschiedenste Weisen konsumieren kann. Die Wirkung ist dabei immer ähnlich, Euphorie, Wahnvorstellungen, unkontrollierbare Bewegungen, Schlaflosigkeit, Nervosität und so weiter, bis hin zur Zerstörung von Gehirnmasse und schwersten Psychosen. Ross jedenfalls nimmt ganz gerne Meth und gerät so zufällig an einen Job bei einem Typen namens "The Cook" (Mickey Rourke, der sich hier übrigens mit einer wirklich beeindruckenden Rolle rehabilitieren kann). Für ihn übernimmt Ross einfache Kurierfahrten und wird mit Naturalien entlohnt.

So einfach und schnell lässt sich die Handlung beschreiben, die leider nicht an die optische Größe des Films heranreicht. Und für optische Höhepunkte ist Regisseur Jonas Akerlund zumindest von Musikvideos und Werbespots bekannt. Für Madonna hat er unter anderem "Ray of light" und das umstrittene und schließlich zurückgezogene Video zu "American life" gedreht, dazu noch einiges für U2, The Prodigy, Smashing Pumpkins und so weiter. "Spun" ist nun sein Kinodebüt, doch das Erbe des Musikvideos lässt sich einfach nicht übersehen und schon gar nicht Akerlunds sehr spezieller Stil. So zitiert er sich teilweise schon selbst, wie zum Beispiel mit einem Sonnenaufgang im Zeitraffer, der auch im "Ray of light"-Video sozusagen als Running Gag diente. Und Running Gags gibt es bei "Spun" mehr als genug, der Film lebt geradezu davon.

Gedreht wurde nach der Methode Quantität vor Qualität, es wurden keine Szenen geprobt oder mehr als zweimal gedreht. Und wenn schon mehr als zweimal, dann auch mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen. Die meiste Zeit verbrachte das Team dann im Schneideraum, bis etwa 4500 Schnitte untergebracht waren. Auf diese Weise überträgt sich die dargestellte Wirkung der Droge auf den Zuschauer, die Nervosität, der teilweise eingeschränkte Blickwinkel, Splitscreen-Szenen, lange Detailaufnahmen eines Autos, eingestreute Comic-Sequenzen: all das erzeugt einen rauschähnlichen Zustand in der Tradition anderer Drogenfilme wie "Requiem for a dream" oder "Trainspotting".

Dazu kommt eine typische 90er-Jahre-Schmuddel-Ästhetik, verlotterte Wohnungen, Mena Survari mit schlechten Zähnen, Brittany Murphy als Mittelwesten-Schlampe, Mickey Rourke, der sich eine Zahnprothese herausnimmt.... Das Ganze gekoppelt mit extrem komischen Figuren und Szenen, wie beispielweise einem Übergriff von zwei Cops (der wie immer geniale Peter Stormare und Alexis Arquette) im Stil der Beastie Boys-Videos oder einem kurzen Auftritt von Billy Corgan (Smashing Pumpkins), der auch für die Musik verantwortlich ist, bezeugt den Spieltrieb des Regisseurs. Man findet zwar einige durchgängige Motive, aber der Großteil der Aufnahmen ist doch experimentell und verspielt. Und mit eben diesem schwer zu definierenden Stil begeistert Akerlund scheinbar auch seine Darsteller, die sich wirklich haben verschandeln lassen.

Um es kurz zu machen und nicht noch mehr aufzuzählen: es gibt wirklich viel, viel zu sehen. Und wenn die Augen so viel zu tun und bestaunen haben wie in diesem Film, dann hat der Rest des Kopfes gar keine Zeit und Muße, um Handlung zu vermissen.

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